Jun 20 2010
Vollkommenheit ist eine Illusion
Bei Frauenstaerken fand ich folgendes Zitat:
Menschen brauchen die Vorstellung von der Vollkommenheit, aber den Mut zur Unvollkommenheit.
Dem kann ich aus vollem Herzen zustimmen. Denn nur wer sich eine vollkommene Umgebung oder Welt vorstellen kann, ist auch bereit, dafür etwas dazu beizutragen, diese (mit) zu gestalten. Sich dafür einzusetzen und die eingen Möglichkeiten nutzen, diese Welt entstehen zu lassen.
Dann allerdings geht es los mit dem anderen Teil: Wir erkennen, dass sich die Dinge nicht so entwickeln, wie wir es uns vorstellen. Oder unsere Fähigkeiten reichen nicht aus. Manche Menschen wefen dann die Flinte ins Korn und geben auf. Doch genau an diesem Punkt setzt der “Mut zur Unvollkommenheit” ein durch die Bereitschaft, trotzdem weiter zu machen. Mit den Mitteln und Möglichkeiten, die zur Verfügung stehen und in dem Maße, wie es in diesem Moment möglich ist. Sich auf die Teile zu konzentrieren, die auch in dieser Situation geradezu perfekt sind. Die Aufmerksamkeit gerade darauf zu richten, was möglich ist und diesen Anteil zu verstärken. Schritt für Schritt voran zu gehen – auch im Vertrauen darauf, dass sich alles Weitere jeweils zeigen wird, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen ist.
Das verlangt in jedem Fall Mut, denn wir sind so darauf getrimmt, alles zu berücksichtigen – die Vollkommenheit – und daran um jedem Preis festzuhalten. Zu Lasten der Unvollkommenheit und des “es genügt so wie es ist”. Deutschen Ingenieuren wird nachgesagt, dass sie zu viel Zeit investieren, um Kleinigkeiten zu verändern, die kein Mensch wirklich braucht. Auch bei meinen Teilnehmern erlebe ich dies: da wird an Details gefeilt, bis sie perfekt sind anstatt hinauszugehen und sich und das eigene Angebot vorzustellen.
Fragen Sie sich in solchen Situationen immer wieder: Was würde passieren, wenn ich diesen Punkt nicht erledige, sondern ihn lasse wie er gerade ist? Damit steigen Sie aus der Perfektionismusfalle, in die wir nur allzu leicht geraten.
