7 Irrtümer über Leichtigkeit

01.09.2021
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Seit mein Buch „Mit Leichtigkeit zum Ziel“ 2014 erschienen ist, taucht mit schöner Regelmäßigkeit der "Vorwurf" auf: So leicht geht es aber nicht! Als wäre Leichtigkeit etwas, das sich schnell, einfach und zuverlässig einordnen ließe. In diesem Beitrag nähern wir uns diesem offensichtlich für manche provozierenden Thema von der Rückseite, nämlich was Leichtigkeit nicht ist :-) 

 

Werte – oder die Gefahr schneller Einordnungen

Diese Hürde besteht nicht nur bei Leichtigkeit, sondern auch bei anderen übergeordneten und schwer greifbaren Wörtern wie Freiheit, Gerechtigkeit, Sicherheit. Diese Begriffe wie auch viele weitere zählen zu den gängigen Werten von Menschen. Ihnen gemeinsam ist, dass sie einen stark subjektiv wie auch kulturell geprägten Charakter haben. Je nachdem, in welcher Gegend und in welchem Umfeld wir groß geworden sind, erhalten Werte eine sehr individuell geprägte Färbung. Solange uns diese persönlichen Prägungen nicht bewusst sind, erhalten (oder geben) wir Gegenwind wie diesen: So einfach ist das aber nicht!

Und das stimmt in diesem Fall ja auch.
Es ist tatsächlich nicht einfach, Leichtigkeit zu definieren ;-)


Zumindest nicht in allgemein gültiger Form und jenseits dessen, was uns Duden & Co liefern. Dort finden sich zu Leichtigkeit in der Regel drei Bedeutungen, wie sie auch bei wortbedeutung.info zu finden sind:

  1. geringes Gewicht
  2. die Eigenschaft, mühelos zu sein
  3. die Eigenschaft, unbekümmert zu sein

Als Synonym wird Mühelosigkeit genannt. Was ebenfalls einer Definition bedarf ;-)

 

Im täglichen Umgang mit Leichtigkeit hilft dies selten weiter. Hier brauchen wir praktische Anwendungen. Zumindest, wenn wir den Wunsch haben, „es“ möge leichter gehen: der Alltag, die Arbeit, das Leben generell…

 

Überzeugungen als Wegweiser zum (Selbst-)Verständnis

Hier hilft es, sich anzuschauen, welche Überzeugungen oder Glaubenssätze hinter dem gerne und schnell dahin geworfenen Satz „So leicht geht es aber nicht!“ stehen. Das geht am besten anhand verbreiteter Irrtümer – wie ich diese gegensätzlichen Überzeugungen aus meiner subjektiven Perspektive nenne. Mit den häufigsten dieser Irrtümer über Leichtigkeit möchte ich aufräumen.

 

7 Irrtümer über Leichtigkeit - und wie sie sich zeigen

Mir begegnen regelmäßig sieben Überzeugungen, die leicht zu Denk-Fehlern werden. Diese Irrtümer führen dazu, dass sich Menschen gegen Leichtigkeit wehren – und damit die Chance vertun, eine andere, bessere Art des Vorgehens zu nutzen. Ich möchte dir einen Denkanstoß geben, deine Überzeugungen zumindest zu hinterfragen. Vielleicht entdeckst du darüber, ob und wie Leichtigkeit zu einer Option für dich werden kann.

Einige Irrtümer liegen eng beieinander, unterscheiden sich jedoch in ihren Auswirkungen. Daher habe ich sie einzeln aufgeführt. Die Reihenfolge stellt keine Wertung dar, sondern entstand mit leichter Hand aus meiner eigenen Logik :-)

 

Irrtum Nr. 1: Es muss IMMER leicht sein

Aus meiner Sicht ist dies die größte Hürde, die uns den Zugang zur Leichtigkeit versperrt. Ich fände es schrecklich, wenn alles immer leicht wäre. Das Leben besteht nun mal aus Auf und Ab, dem Wechselspiel von hoch und tief, von leicht und schwer. Meine wichtigsten Erkenntnisse habe ich in Momenten gewonnen, in denen es alles andere als leicht war. In diesen Phasen habe ich viel über mich selber und das Leben gelernt. Ich habe erkannt, wie ich mein Leben leicht gestalten kann und wie ich es mir durch mein Denken selber schwer mache. Wie und wann ich durch mein Festhalten an alten Mustern immer wieder gleiche Erfahrungen erzeuge, auch wenn ich schon lange weiß, dass sie mir nicht (mehr) dienen. Erst als mir dies vollkommen bewusst geworden war, konnte ich etwas daran ändern und meinen Frieden mit mir schließen. Dies ist die Form von Leichtigkeit, nach der ich strebe.

 

Irrtum Nr. 2: Leichtigkeit ist ein Dauerzustand

Nein, ist es nicht! Das klang beim ersten Punkt schon an. Während es dort um die Erwartungshaltung geht, beschreibt dieser Aspekt den eigenen Anspruch an die Dauerhaftigkeit, die wir uns wünschen, wenn wir einen ersehnten inneren Zustand erreicht haben: es möge bitte immer so bleiben. Doch wer von sich erwartet, einen Zustand wie Leichtigkeit, Gelassenheit oder Zielgerichtetheit auf Dauer zu halten, setzt sich selber unter maßlosen Druck. So schön es ist, dieses Gefühl von Leichtigkeit, Zufriedenheit und Ganz-bei-sich-Sein zu erleben, so sicher ist auch, dass dieser Zustand früher oder später wieder schwindet und einem anderen Zustand Platz macht. Schließlich leben wir in einer Welt der Polarität, denen auch unsere emotionalen Empfindungen unterworfen sind. Wer das nicht erkennt und etwas anders von sich erwartet, kann nur scheitern.


Wie dieses Scheitern aussieht, ist von Mensch zu Mensch verschieden.

Es kann sich in Ergebnis- oder Erfolgslosigkeit ausdrücken, in Schleifen, die wir ständig wiederholen, wie auch in Schicksalsschlägen oder schweren Krankheiten. All diese Ergebnisse wollen uns dazu zwingen, genauer hinzuschauen. Sie fordern uns auf, etwas zu verändern – damit wir zurückkehren können in eine angemessene Leichtigkeit. Bis die nächste Herausforderung um die Ecke kommt.

 

Irrtum Nr. 3: Leichtigkeit = Oberflächlichkeit

Was bitte hat das eine mit dem anderen zu tun?!
Ist ein Mensch, der einen Schicksalsschlag oder eine persönliche Krise vermeintlich (!) leichter durchlebt, weniger „gut“ als jemand, den oder die eine persönliche Krise in die Tiefe reißt, aus der dieser Mensch nur schwer wieder in die Höhe gelangt?
Kann ein Außenstehender wirklich beurteilen, wie jemand mit seinen Themen umgeht und sie verarbeitet?


Ich habe in meinem Leben einige persönliche Schicksalsschläge erlebt, durchlebt und überlebt, von denen viele das Potential hatten, mich zu Boden zu strecken. Das erste Mal war dies mit 9 Jahren und seither immer wieder, zuletzt 2017. Auch wenn es nicht immer einfach war, ist es mir früher oder später gelungen, Mittel und Wege zu finden, damit umzugehen – mit oder ohne Hilfe.


Die Erinnerung daran, wie einsam und verlassen ich mich als Kind fühlte und was mich in dieser Zeit getragen hat, hilft mir noch heute. Dadurch ist in mir die Überzeugung gewachsen, dass es nichts gibt, was ich nicht bewältigen kann. Und vor allem, dass es auch leicht sein darf, durch Herausforderungen zu gehen! Ohne davon zu laufen, irgendetwas zu beschönigen, zu verdrängen oder „leichter“ machen zu wollen. Es einfach da sein lassen. Annehmen, was auftaucht, eine Lösung finden und weitergehen. Ganz im Sinne eines Satzes, den ich in den letzten Jahren öfter gelesen habe: Wege führen oft durch tiefe Täler, doch wir entscheiden, ob wir uns dort häuslich niederlassen.

 

Irrtum Nr. 4: Für Leichtigkeit kann man nichts tun, man hat sie oder nicht

Das ist zum Teil richtig.

Manchen Menschen fällt es leichter als anderen, sich auf Ungewohntes, Neues oder Veränderungen einzustellen. Doch das heißt nicht, dass es nur bestimmten Menschen möglich ist, Leichtigkeit zu erreichen – wenn er oder sie dies wirklich möchte. Viele Menschen leben so sehr in ihren Mustern aus Drama, Mangel, Selbstverleugnung oder -bestrafung, dass es für sie eine große Hürde bedeutet, diese Gewohnheit – und das ist es: eine gewohnte Situation – hinter sich zu lassen. Wer neue, andere Erfahrungen machen möchte, muss dafür die eigene Komfortzone verlassen und sich in die dahinter liegende Lernzone begeben. Das ist nicht immer einfach, doch möglich.

 

Ein Geschenk in meinem Leben ist sicher, dass ich mit einem Grundoptimismus auf die Welt gekommen bin. Dennoch habe ich Phasen erlebt, in denen ich mit dem Schicksal haderte. Einige Fotos aus meiner Jugend zeigen dies sehr deutlich. Da war nichts mit Leichtigkeit. Dorthin zu gelangen, habe ich erst im Laufe der Jahre entdeckt. Besonders geholfen hat mir, dass ich den Einfluss meiner eigenen Gedanken auf meine Erfahrungen erkannt habe. Es hat gedauert, bis ich dieses Wissen kontinuierlich im Alltag anwenden konnte – und es mir zur zweiten Haut geworden ist.

 

Heute ist es mein Anliegen, die von mir entwickelten Mut-Werkzeuge weiterzugeben. Ich möchte dir zeigen, dass du in jedem Moment eine Wahlmöglichkeit hast, die du nutzen kannst – für mehr Leichtigkeit und Lebensfreude, bessere Ergebnisse und größere Zufriedenheit.

 

Bereits im 19. Jahrhundert erkannte William James, einer der Wegbereiter der modernen Psychologie, diesen Zusammenhang: "Die größte Entdeckung meiner Generation ist die Einsicht, dass Menschen ihr Leben ändern können, wenn sie ihre Einstellung ändern… Wenn sie ihr Denken ändern, können sie ihr Leben verändern." (Zitiert nach Ken Robinson, In meinem Element, Seite 111)

 

Irrtum Nr. 5: Schwere und Leichtigkeit schließen sich aus

In einer Welt der Polaritäten können auch gegensätzliche Empfindungen nebeneinander stehen. Zumindest ist es möglich, schnell von einem Ende des Spektrums zum anderen zu wechseln. Wie es auch in „himmelhochjauchzend, zu Tode betrübt“ zum Ausdruck kommt. Im gleichen Zeitraum erleben wir in einer Angelegenheit viel Leichtigkeit und an anderer Stelle eine bedrückende Schwere. Wie die zwei Seiten einer Medaille gehören beide Gefühle zusammen. Das eine besteht neben dem anderen.


In solchen Momenten ist es wichtig abzuwägen:
Worauf konzentriere ich mich? Was ist jetzt wichtig? Was ist auch angebracht?

 

Nicht jede Emotion ist in jeder Situation angemessen oder zum Ausdruck zu bringen.
In meiner Angestelltenzeit gab es eine Phase intensiver persönlicher Herausforderungen. Gleichzeitig war es eine Zeit mit vielen beruflichen Aufgaben, die mich ebenfalls forderten. Hier war es wichtig, das eine bewusst vom anderen zu trennen. Jedem Bereich mit seinen Emotionen einen Raum zu geben, in dem diese sein durften: Leichtigkeit in der Arbeit und Trauer (Schwere) in der Freizeit. Beides bekam einen Platz, wenn auch nicht gleichzeitig. Zu erkennen, was wann angemessen ist und anderes außen vor zu lassen, gehört für mich zum Erwachsensein dazu.

 

Irrtum Nr. 6: Leichtigkeit entsteht, wenn man seine Berufung gefunden hat

Ich arbeite viel mit Menschen, die sich eine berufliche Veränderung wünschen. Sie möchten mehr Leichtigkeit und Zufriedenheit erleben und verbinden damit eine große Erwartung: "Wenn ich erst einmal meine Berufung gefunden habe…" – wird allerdings nichts besser oder leichter. Dann fängt die Arbeit überhaupt erst an. Mit einigem Aufwand, viel Einsatz und auch Anstrengung. Das hat zunächst wenig bis nichts mit den allgemeinen Vorstellungen von Leichtigkeit zu tun. Daher geben viele schnell wieder auf. So hatte ich mir das nicht vorgestellt! Einsatz, Herausforderungen und Anstrengungen? Nein danke, dann bleibe ich lieber, wo ich bin.


Leichtigkeit ist keine Hängematte, in der du dich wohlig einrichtest. Das kann und wird nicht funktionieren!

 

In einer Umbruch- oder Veränderungsphase entsteht Leichtigkeit, wenn du anders vorgehst als gewohnt. Es gibt Methoden und Vorgehensweisen, die dich darin unterstützen. Ich nenne sie Mut-Werkzeuge. Unter dem Sammelbegriff MutmacherPrinzip habe ich sie in meinem Buch vorgestellt. Wenn sich zu diesen Werkzeugen noch eine positive mentale Haltung gesellt, entstehen magische Ergebnisse, weil vieles „wie von selbst“ zusammenpasst.

 

Diese Mut-Werkzeuge sind beileibe nichts Neues, sondern altbekannte Methoden, die ich an die heutige Zeit angepasst habe. In ihrem Zusammenspiel bewirken sie ein Gefühl von Leichtigkeit statt der üblichen Anstrengung und Mühe. Das zumindest ist meine Definition von Leichtigkeit – deine kann und wird wohl davon abweichen :-)

 

Irrtum Nr. 7: Positives Denken führt zu Leichtigkeit

Wenn es so leicht wäre!
Richtig eingesetzt, ist positives Denken durchaus förderlich. Allerdings führt es nicht immer zum Ziel und zu mehr Leichtigkeit. Im Gegenteil! Es kann auch kontraproduktiv sein und genau das verhindern, was du dir wünschst. Das ist der Fall, wenn du damit deckelst, was dir nicht gefällt, obwohl etwas gesehen, erlebt und angenommen werden möchte. Alles, was wir mit falsch verstandenem positivem Denken "zukleistern", bleibt darunter weiterhin aktiv. Was dazu führt dazu, dass immer mehr Kraft aufgewendet werden müssen, um diese nicht beachteten Gefühle unter Kontrolle zu halten.

 

Wie du positives Denken für mehr Leichtigkeit nutzt, stelle ich in meiner früheren Serie "Positives Denken – Pro und Contra" vor. In drei Beiträgen erfährst du, was positives Denken problematisch macht. Du erkennst, welche Möglichkeiten darin stecken, wenn du einige Aspekte berücksichtigst, und findest Anregungen, wie du es sinnvoll für dich nutzen kannst.

 

Was sind deine Vorstellungen von Leichtigkeit?
Was verbindest du damit und welche Einstellung hast du dazu?

Schreibe mir deine Gedanken gern per Mail.

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