75 Jahre Frieden - und was jetzt?

12.05.2020
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8. Mai 1945: Waffenstillstand und damit das Ende der schwärzesten Zeit in der Geschichte unseres Landes. Für uns in Deutschland und einige Nachbarländer war dies ein Tag der Befreiung und der Start in eine neue Zeit. Diese hat uns neben 75 Jahren Frieden auch ein hohes Maß an Wohlstand und einen stetigen Fortschritt beschert. Ob dieser Fortschritt immer so positiv war, sei mal dahingestellt. Auf jeden Fall haben sich damit Türen geöffnet zu vielfältigen Möglichkeiten, neu zu denken, anders zu handeln und mehr als je zuvor zu erleben.

 

Welche Verbindung es zwischen diesem Jahrestag und der aktuellen Situation gibt, beschreibe ich weiter unten.

 

Nicht für alle war es der Anfang einer neuen Zeit

Zunächst ist mir wichtig, daran zu erinnern, dass der 8. Mai 1945 nicht für alle Menschen in Europa ein Tag des Frohlockens und der Freiheit war. Nur ein paar Hundert Kilometer, von manchen Orten aus sogar nur wenige Kilometer weiter, stellte sich die Folgezeit ganz anders dar. Für die Menschen in Ostdeutschland und in unseren östlichen Nachbarländern begann bald danach eine neue schwarze Zeit. Sie gerieten unter die Knute des nächsten diktatorischen Systems, aus dem sie sich erst 1989 – also 44 Jahre später – befreien konnten.

 

Vieles, was die Vertreter der älteren Generation in diesen Jahren erlebt haben, prägt sie bis heute und macht manche Entwicklungen schwer bis unmöglich. Zumindest sind diese Menschen besonders gefordert. Sie müssen neue Qualitäten erwerben, die ihnen (noch) fremd sind. Da kommt mir der Satz in den Sinn: Was Hänschen nicht lernt… Es bedarf einiges an Entdeckerlust und Lernbereitschaft, sich in fortgeschrittenem Alter immer wieder aufs Abenteuer Leben und Lernen einzulassen ;-)

 

Frieden und Wohlstand führen leicht zu Bequemlichkeit und zum Festhalten am Bekannten.

Der von eingefleischten Konservativen (Wortbedeutung: an alten Traditionen, Werten und Überzeugungen festhalten) gerne genutzte Satz „das war schon immer so!“ zählt nicht mehr viel, wenn Menschen mit einer Situation konfrontiert sind, die sie auffordert oder gar herausfordert. Sehr viele Menschen müssen sich jetzt neu orientieren und neue Möglichkeiten ausprobieren. Andere – und zu diesen zähle ich auch – freuen sich darauf, dass sich etwas bewegt und sie das Neue mitgestalten können. Wer sich auf dieses Abenteuer einlässt und bereit ist, Neues auszuprobieren, stellt oft zur eigenen Überraschung fest, dass es durchaus Spaß machen kann und neue Erkenntnisse über sich selber, über Vorlieben und Abneigungen liefert. Nun wird die Lust am lange propagierten lebenslangen Lernen Wirklichkeit, ja sogar Notwendigkeit. Auch für mich war und ist es faszinierend, mich auf dieser Entdeckerreise zu beobachten und zu entdecken, welche Dinge nach einer Eingewöhnungsphase viel einfacher, schneller, leichter oder auch nur anders ablaufen.

 

Kampf der Überzeugungen statt Gelassenheit und innerer Frieden

Beim Blick in meine Timeline auf Facebook erlebe ich einen Kampf der Überzeugungen, in der jede Seite Recht haben und gewinnen will. Die ersten Wochen waren wir vor allem damit beschäftigt, uns in und mit der neuen Situation zurecht zu finden, Lösungen für die dringendsten Probleme – Beschäftigung, Finanzen, Homeschooling und Homeoffice – zu finden.
Nun hat sich das Blatt gewendet.
Bei vielem Menschen liegen die Nerven blank und sie verspüren ein dringendes Bedürfnis, aktiv zu werden. Egal womit – Hauptsache aktiv! Auseinandersetzungen werden zunehmend verbal aggressiv ausgetragen, manchmal sogar handfest. Regelungen werden einfach ignoriert, egal welche Folgen dies hat. Irrationale Entscheidungen getroffen.

 

Woran liegt das?

Im erzwungenen Rückzug aus den gewohnten Aktivitäten des Alltags kochen alte, ungelöste Themen hoch. Diese waren oft jahrzehntelang durch viele Ablenkungen im Außen – von Sport über Reisen zum Shoppen – wunderbar gedeckelt. Doch damit ist jetzt erstmal Schluss. Schon fühlen wir uns unserer Freiheit beraubt. Oder suchen nach Ablenkungen anderer Art, denn die nicht gelösten Themen suchen sich immer ein Ventil.

 

Hintergründe erkennen und bewältigen

In seinem aufschlussreichen Blogartikel „Der Corona-Spaltpilz und seine Heilung“ zeigt Heilpraktiker und Autor Saleem Matthias Riek, was hinter diesen hochkochenden Emotionen und verbal aggressiv geführten Auseinandersetzungen steht: Die Aktivierung alter Traumata, die endlich gelöst werden wollen.

 

Viele haben sich in den letzten Jahren und Jahrzehnten den eigenen Dämonen gestellt, haben mit ihnen gerungen und ihnen schließlich ihren angemessenen Platz zugewiesen. Sie erleben diese Kämpfe um die Vorherrschaft der „richtigen“ Lösung daher aus einer gewissen neutralen Distanz oder sind fassungslos angesichts der Heftigkeit, mit der Dispute vor allem in den sozialen Medien ausgetragen werden. In diesem Fall dürfen wir uns daran erinnern, dass es eine Zeit gab, in der wir selber in ähnlicher Weise um uns geschlagen und andere Meinungen aufs heftigste attackiert haben ;-)

 

Was steckt hinter diese Auseinandersetzungen?

Konfrontiert mit Abhängigkeiten, die sich unserem Einfluss entziehen, werden die meisten Menschen emotional. Es geht dann mehr um Gefühle als Sachverhalte und es geht insbesondere um Angst. Was wir in den letzten Wochen an Einschränkungen mit langfristigen Folgen erlebt haben, welche Dynamik die Pandemie erzeugt und welche Ausmaße ihre Eindämmung angenommen hat, übersteigt alles bisher Dagewesene und Vorstellbare. So entstehen Ängste, die sich in unterschiedlicher Richtung einen Weg bahnen.

 

Im Wesentlichen werden vier Grundängste ausgelöst, die in dem genannten Artikel mit ihren Symptomen wie auch den Auswirkungen sehr anschaulich beschreiben sind:

  1. Die Angst, sich anzustecken, schwer krank zu werden oder zu sterben.
  2. Die Angst vor existenzieller Not durch die Maßnahmen zur Eindämmung.
  3. Die Angst vor dem Verlust von Bindung.
  4. Die Angst vor dem Verlust von Autonomie.

Wenn wir bereit sind, diese Trauma-Aktivierungen zu bemerken, sind wir auch in der Lage, diese zu bewältigen. Das erfordert die Bereitschaft, endlich den Dreck unter dem Teppich hervorzuholen und ihn zu beseitigen. Viele haben das im Außen in den letzten Wochen sehr gründlich gemacht. Nun geht es um das innere Großreinemachen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen: Mit einfühlsamer Begleitung geht dies viel leichter als wir uns dies zunächst vorstellen können.

 

Im Ergebnis entstehen Freiheit und innerer Frieden – beides benötigen wir in der aktuellen Situation dringender als je zuvor.

 

Nur ein gelassener Geist in Verbindung mit einem wohlwollenden, vertrauensvollen Herzen ist in der Lage, Lösungen zu finden, die ebenfalls jenseits von allem bislang Vorstellbaren liegen.

 

Daran können wir alle mitwirken.

Indem wir uns immer wieder fragen:

  • Worauf reagiere ich besonders allergisch?
  • Was macht mich derzeit aggressiv?
  • Ist diese Reaktion noch im Rahmen (d.h. sie geht schnell wieder vorüber) oder in der Sache überzogen oder unangemessen?

Die ehrliche Bestandsaufnahme liefert den Schlüssel zu den noch ungelösten inneren Themen und öffnet die Türe in ein erfülltes, lebendiges, zufriedenes Leben – unabhängig von den gerade bestehenden äußeren Umständen.

 

Ich wünsche Dir, dass Du mit Gelassenheit und Umsicht durch diese Zeit gehen kannst. Besinne Dich immer wieder darauf, welche Zukunft Du gemeinsam mit anderen Menschen erschaffen willst. Dann werden wir auch weiterhin in innerem und äußerem Frieden leben – in einer Welt, die allen Lebewesen dient.

 

PS: Geh‘ Deinen eigenen Weg, es gibt keinen besseren!

 

PPS: In einem weiteren Beitrag werde ich mich der Frage widmen, wie Du in Frieden mit Dir selber kommst – egal, was im Außen passiert ;-)

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