Positiv ausgerichtet bleiben: Mitgefühl

18.05.2021
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Nach dem 1. Teil, welcher der Selbstfürsorge gewidmet war, wenden wir uns diesmal einem weiteren Aspekt zu, um in dieser herausfordernden Wandelzeit positiv ausgerichtet zu bleiben: dem Mitgefühl.

 

Was ist Mitgefühl – und was nicht?

Im Wort selbst steckt schon der wichtigste Aspekt: fühlend in Verbindung mit anderen sein und sie und ihre gegenwärtige Situation mit einem offenen Herzen wahrnehmen.

 

Stellst Du dabei fest, dass diese Wahrnehmung der anderen Person und ihres Schicksals einen Schmerz in Dir auslöst, bist Du im Mitleid. In diesem Fall wirst Du unbewusst Opfer Deines eigenen Schmerzes, der darauf wartet, geheilt zu werden. Wie sagte Sterbeforscherin Elisabeth Kübler-Ross:

 

Alles, was dich mehr als 10 Minuten beschäftigt, sind deine eigenen ungelösten Themen.

Zugleich steckt im Mitleid auch die Gefahr, dass wir uns über andere erheben. Statt auf Augenhöhe begegnen wir dem Gegenüber, schwächen ihn oder sie und machen sie kleiner. Wir sind nicht in der Lage, den persönlichen Weg dieser Person zu respektieren und sie zu ermutigen, sondern wollen „helfen“ und deren Situationen „wieder gut machen“. „Fix it“, wird dieses Bedürfnis im angelsächsischen Raum genannt.

 

Im Mitfühlen sind wir bei der anderen Person, ohne etwas verändern zu wollen. Wir können ihnen auf Augenhöhe begegnen, uns mit offenem Herzen in die Gefühle und Sichtweisen der anderen hineinfühlen, diese annehmen und sie als Schöpfer ihrer Welt respektieren. So versuchen wir, ihre Situation zu verstehen, ohne das Bedürfnis, irgendetwas zu verändern.

 

Doch Mitgefühl ist nicht nur auf den oder die andere bezogen.

Auch uns selbst gegenüber dürfen wir an vielen Stellen Mitgefühl aufbringen. Diesen Punkt habe ich bereits im ersten Teil über Selbstfürsorge unter der Überschrift „Gnädig mit uns selbst sein“ angesprochen. Dort waren es vor allem äußere Aspekte, die ich dir empfohlen habe. Mitgefühl mit uns ist der innere Gegenpol zu äußeren Gegebenheiten und Möglichkeiten. Wenn wir unsere eigenen Gefühle wahrnehmen, fällt es uns leichter, gnädig mit uns selbst zu sein und anzunehmen, was wir in der jeweiligen Situation zu leisten in der Lage sind – und zu was auch nicht (mehr) oder jetzt nicht.

 

Verständnis entwickeln

Ein in dieser Zeit nicht zu unterschätzender Aspekt ist die generelle Überforderung, die viele Menschen spüren. Was wir derzeit und wohl noch lange erleben werden, ist mit nichts zu vergleichen, was alle, die diesen Beitrag lesen, bislang erlebt haben. Damit einher geht nicht nur eine große Untersicherheit im Hinblick auf die Zukunft, sondern auch eine Überforderung. Das führt dazu, dass bisherige Verhaltensmuster außer Kraft gesetzt oder in manchen Situationen nicht mehr verfügbar sind.

 

Sehr viele Menschen sind in einem konstanten Stadium von emotionalem Stress und daher nicht mehr in der Lage, „vernünftig“ zu handeln. Ihre Handlungen sind selten rational, also vom Verstand her nachvollziehbar, sondern wirken auf Außenstehende unüberlegt, unverhältnismäßig und damit irrational. Wir erleben sie als dünnhäutig oder ordnen sie ein als „da dreht gerade jemand völlig durch“. Das macht die Kommunikation mit diesen Menschen sehr schwierig, manchmal sogar unmöglich. Doch mit Verständnis kommen wir – wie so oft im Leben – weiter.

 

Am besten ist es, wenn wir uns entfernen, auf Distanz zu diesem Menschen gehen.


Das ist jedoch nicht immer möglich.

Also brauchen wir andere Lösungen, die weder uns selbst überfordern noch die ohnehin angespannte Situation eskalieren lassen. Mit dem Bewusstsein, dass es ist primär eine emotionale, aus der Überforderung heraus entstandene Handlung ist, die uns zwar betrifft, doch nichts mit Dir als Person zu tun hat, wird es einfacher und manchmal auch leichter.

 

Auch hier hilft Mitgefühl.
Das bedeutet für uns als Empfänger solcher Reaktionen zunächst einmal: Innehalten und tief durchatmen. Damit kannst Du Dich selbst in diesem Moment spüren und wirklich in Dir selbst ankommen. Andernfalls entsteht ein Schlagabtausch, der die Situation weiter hochschaukelt und am Ende doch nichts bringt. Oder Scherben hinterlässt, die nicht mehr zu kitten sind.

 

Annehmen statt ablehnen

Von Plato stammt der Satz:

 

„Lebe wohl und trage, was nicht zu ändern ist.“

So oder in ähnlicher Weise hast du sicher schon die Aufforderung gehört, dich mit dem ab-zufinden, was ohnehin nicht zu ändern ist.
So weit die Theorie.


In der Praxis ist es oft nicht so leicht, diese Empfehlung umzusetzen.


Wir wollen die Kontrolle behalten und haben schnell das Gefühl, sie entgleitet uns, wenn wir nicht in der Lage sind, uns angemessen gegen Angriffe zur Wehr zu setzen. Das macht die Akzeptanz von unangemessenem Verhalten schwierig. Je besser wir allerdings mit uns selbst verbunden sind und uns so annehmen, wie wir sind – also wieder mit gnädigen Augen auf uns selbst schauen –, desto leichter wird es, sich aus unangenehmen, nicht passenden und einfach nicht stimmigen Situationen zu verabschieden. Freundlich, wohlwollend und achtsam – für unser eigenes Wohlbefinden wie auch das Wohl anderer.

 

Wenn Menschen völlig überzogen handeln oder dich verbal angreifen, ist es das Beste, dir selbst zu sagen: Das führt zu nichts…, ich kann hier nichts ausrichten…, ich will so nicht behandelt werden… UND ZU GEHEN. Stillschweigend. Oder sogar mit einem kurzen „Danke!“

 

Letzteres wird Dich überraschen. Sich in solch einer Situation auch noch zu bedanken?! Was soll das denn?! Das kann jetzt nicht ihr Ernst sein…
Doch ist es.


Dieses „Danke“ signalisiert Deine Akzeptanz der Situation – einfach so, ohne weiteren Kommentar oder eine Reaktion. Es zeigt, dass Du in der Lage bist, Dich freundlich zu distanzieren und alles Ungute hinter Dir zu lassen. Einfach so. Danke schließt etwas ab. Beendet ein Gespräch freundlich. Mit einem Dankeschön ins Universum ermöglichst Du neue, überraschende, vielfältige Möglichkeiten. Das haben mir meine Erfahrungen immer wieder bestätigt. Auch wenn ich manches Mal vergesse, dieses Danke einzusetzen. Ich bin halt auch nicht perfekt ;-)

 

Akzeptanz ist eine Haltung, die wir lernen können.

Sie speist sich aus der Selbstfürsorge, dem Mitgefühl für uns selbst und andere sowie aus dem Verständnis dafür, dass wir alle an vielen Stellen überfordert sind. Bei manchen Menschen zeigt sich dies stärker als bei anderen, die sich seit Jahren in Widerstandskraft (Resilienz) und Selbst-Verständnis üben und hier schon einen langen Weg gegangen sind.

 

Ich möchte Dir noch ein Zitat von Dale Carnegie mitgeben, welches ich zum Aspekt „Annehmen“ gefunden habe:

 

„Kein Mensch hat genug Gefühl und Energie, gegen das Unvermeidliche anzukämpfen, und gleichzeitig noch überschüssige Kraft, das Leben neu zu gestalten.“

Derzeit sind wir alle an vielen Stellen gefordert, unser Leben neu zu gestalten. Damit dürfen wir auch lernen, noch viel mehr unvermeidliche Veränderungen anzunehmen und alles, was damit zusammenhängt. Das ist ein lebenslanger Weg, der Teil des Menschseins und eines erwachenden und wachsenden Bewusstseins ist. Wir können wählen: sträuben wir uns dagegen oder nehmen wir dies einfach an :-)

 

Zum Abschluss dieses Teils noch eine

 

Übung zum Thema Mitgefühl

Mit dieser Übung nimmst Du Verbindung auf zur Unschuld, Verletzlichkeit und Kreativität Deines inneren Kindes. Dort, in unserer Kindheit, liegt der Schlüssel zur Türe, durch die Du zu der Kraft gelangst, mit der Du heute alle Situationen und Herausforderungen gut meistern wirst. Diese kleine Übung habe ich bei Lee Harris kennengelernt und ein wenig abgewandelt:

 

Gehe gedanklich zurück in die Zeit, als Du ein kleines Kind warst.
Lasse eine Szene auftauchen, in der Du das Gefühl hattest: Die Welt gehört mir! Ich kann alles erreichen, was ich mir vorstelle.


Spüre diese Kraft und lasse sie in Deinem Körper ausbreiten. Sollten negative Gefühle auftauchen oder unangenehme Erinnerungen, schiebe diese zur Seite. Konzentriere Dich stattdessen auf diesen einen Moment der Größe und der Lebendigkeit.


Stelle Dir vor, dieses kleine Kind, das Du warst, steht einige Meter entfernt von Dir.
Betrachte es. Nimm seine ganze Unschuld, Lebendigkeit und Kraft wahr.


Lass dieses Kind, das Du einmal warst, nun auf Dich zukommen – immer näher.
Wenn es Dir möglich ist, lass es mit Dir verschmelzen, so dass es ein Teil von Dir wird.

 

Ein Teil, der Dich künftig begleiten wird, wenn Du in herausfordernden Situationen bist. Es ist bei Dir mit all diesen Eigenschaften, die Kinder noch haben und die sie so lebendig, wagemutig und kraftvoll machen.

 

Zum Mitgefühl gehört auch, gut auf Dein eigenes Energiefeld zu achten und es zu schützen.
Manchmal erfordert dies, einen Schritt zurückzutreten oder zu bestimmten Menschen in Deinem Umfeld auf Distanz zu gehen. Auch wenn es Dir schwerfällt – tue es!

Nur wenn Du gut auf Dich achtest, kannst Du etwas bewegen UND für andere da sein.

 

Hinweis:

Diesen Beitrag kannst Du Dir hier als PDF herunterladen.

 

PS: Geh' deinen eigenen Weg - es gibt keinen besseren!

 

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