Auf Deinem Weg zurück zur Eigenzeit

05.02.2020
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Kürzlich sprach ich für einen Zeitschriftenartikel mit einem Redakteur über das Thema „Den eigenen Rhythmus finden“. Ausgangspunkt war mein Blogbeitrag vom September, in dem ich davon berichtet habe, wie ich nach vielen Jahren der Qual meinen eigenen Rhythmus auf Bergwanderungen und darüber auch in anderen Bereichen gefunden habe.

 

Im Vorfeld hatte mir mein Gesprächspartner einen Artikel von Prof. Thomas Fuchs von der Universität Heidelberg geschickt. Prof. Fuchs ist Psychiater und Philosoph – eine interessante Verbindung. In seinem Artikel beschreibt er den Unterschied von linearer Weltzeit und zyklischer Eigenzeit. Diese Gedanken stelle ich Dir hier vor und ergänze sie um Impulse, wie Du Deinen eigenen Weg zurück zu innerer Balance findest.

 

Lineare Weltzeit versus zyklische Eigenzeit

Was Prof. Fuchs „lineare Weltzeit“ nennt, beschreibt das heute vorherrschende und sich global immer weiter ausbreitende Zeitverständnis. Danach bewegt sich Zeit stetig vorwärts, sie läuft geradeaus und kehrt nicht wieder. Sie wird in immer kleinere Einheiten unterteilt, die immer effektiver genutzt werden sollen, wodurch sich die Zeit „gefühlt“ immer stärker beschleunigt. Obwohl Tage doch weiterhin aus 24-Stunden-Zeiträumen bestehen.

 

Ganz anders verhält es sich mit der zyklischen Eigenzeit.

Diese steckt tief in uns und ist die natürliche Quelle für Wohlergehen. Vieles, von dem wir beeinflusst sind, verläuft in kreisförmigen Bewegungen. Da sind zum einen die körperlichen Prozesse wie Schlafen und Wachen, die Ausschüttung von Hormonen und anderen Botenstoffen. Auch viele seelische Prozesse haben einen kreisförmigen Charakter.


Vor allem unsere Beziehungen sind davon geprägt, auch wenn wir dies meist nicht bewusst wahrnehmen. Egal, wie nah oder fern uns jemand steht, es geht hier immer wieder um den Zyklus von Wiedersehen – Abschiednehmen – Wiedersehen – Abschiednehmen


Auch in der Natur sind alle Abläufe zyklischer Natur: Ebbe und Flut, Tag und Nacht, der Verlauf der Jahreszeiten. Pflanzen und Bäumen unterliegen dem kreisförmigen Ablauf aus Wachsen – Reifen – Vergehen.

 

Kein Wunder, dass wir den Widerspruch zwischen linearer Welt- und zyklischer Eigenzeit immer stärker erleben. Und erkennen: das tut uns auf Dauer nicht gut. Doch wir Menschen sind Meister der Anpassung, Wir sind in der Lage, über alle Signale hinwegzugehen und Gefühle auszublenden. Bis wir irgendwann zusammenbrechen.

 

Alarmsignale erkennen

Ehe dies geschieht, gibt es zunächst ganz subtile und dann immer stärker werdende Signale. Achte mal darauf, was von den folgenden Punkten Du bereits erlebt hast oder gerade erlebst:
• Es beginnt mit einer leisen inneren Stimme, die uns zuflüstert: Das ist einfach zu viel! Du kannst nicht noch mehr leisten!
• Private wie berufliche Erlebnisse, auf die Du Dich möglicherweise lange gefreut und Ergebnisse, auf die Du mit viel Einsatz hingearbeitet hast, fühlen sich schal an. Dazu gehören auch Fernreisen oder teure Urlaube.
• Du verlierst Dich in Aktivitäten, die für einen Ausgleich sorgen sollen, jedoch keine Lösung sind. Selbst wenn Du wunderbare Rechtfertigungen dafür findest.
Dazu gehören: viel Zeit in sozialen Netzwerken verbringen… Fernsehen oder auf YouTube Videos anschauen… das Gläschen Wein oder Bier am Abend… extensiv Sport betreiben („… um das Pensum zu schaffen, muss ich mich einfach fit halten!“)… Was sind Deine liebsten Ablenkungen?
Kleine „Unfälle“ und Missgeschicke häufen sich: Dir fallen Gläser oder andere Gegenstände runter… Du rempelst ständig irgendwo an… Du schneidest Dich in den Finger oder verletzt Dich anderweitig... 
• Dein Geduldsfaden ist sehr kurz geworden. In eigentlich harmlosen Situationen regierst Du aggressiv – nichts und niemand kann es Dir rechtmachen.

 

Wenn Du in dieser Phase nicht gut auf Dich achtest und aus Deinem Hamsterrad aussteigst, steigern sich diese Signale und die „Hinweise“ werden massiver. Hier einige Beispiele:
• Lähmungen innerer und äußerer Art sein – Du spürst: Nichts geht mehr! Über diese Zeichen hinwegzugehen kann mit der Zeit zu einer Depression führen.
• „Normale“ Krankheiten - falls es so etwas überhaupt gibt! - wie Halsschmerzen, Schnupfen oder Erkältungen nehmen zu oder ein Husten will einfach nicht weichen, egal was Du unternimmst.
• Im weiteren Verlauf kann ein Burnout entstehen oder es treten schwere Krankheiten auf.

 

Das Meiste davon wäre vermeidbar, wenn wir rechtzeitig auf die Signale achten und diesen folgen. Egal, wie schwer es uns auch fällt, Dinge loszulassen. Es geht darum, uns und unseren Bedürfnissen wieder einen angemessenen Raum zu geben. Eigenzeit eben!

 

Finde Deinen eigenen Weg zurück zu Dir

Egal, an welcher Stelle Du derzeit stehst: es geht um Deinen eigenen Weg. Nur Du weißt, was Dich aus Deiner Eigenzeit geführt hat und was der Weg zurück wäre. Den Schlüssel zur Veränderung findest Du in Dir. Dort ist alles dafür vorhanden. Wenn Du wirklich dazu bereit bist, etwas zu verändern, zeigt sich auch die Lösung mitsamt dem passenden Weg.

 

Vielleicht erkennst Du diese Lösung nicht gleich oder auch nicht alleine.

Dann suche Dir eine passende, achtsame und wertschätzende Begleitung.

 

Unterm Strich geht es darum, Deinen eigenen Weg zu finden und ihn auch zu gehen. Mit diesen fünf Schritten gelingt es Dir.

 

1. Die eigene Überforderung wahrnehmen

„Es“ (was immer dies für Dich ist – Deine Arbeit, Deine Beziehungen, Deine Lebenssituation) wird mir zu viel, zu schwer, zu anstrengend, zu mühsam…

Finde Deine passende Benennung. Diese darf auch krass formuliert sein, einfach weil Du Dich gerade so fühlst.


2. Anerkennen, dass dies so ist

Ja, ich bin nicht in der Lage, so weiterzumachen wie bisher. Ich will und muss etwas verändern und ich bin bereit dazu!

Dieses Eingeständnis, dass Du nicht mehr so weitermachen kannst und willst, ändert nichts an Deinem Wert als Mensch, Mitarbeiterin, Selbständiger! Du bist jederzeit und immer wertvoll, egal, wer Du bist, was oder wie Du etwas machst. Einfach, weil es Dich gibt :-)

 

3. Gründe hinterfragen

Was hat dazu geführt, dass es mir so geht? Was habe ich bislang ignoriert? Wo bin ich mir selber untreu geworden?

Dies erfordert absolute Ehrlichkeit Dir selbst gegenüber und das Eingeständnis, dass Du Deine persönlichen Grenzen hast. Diese Grenzen sind so individuell wie wir selber. Was für die eine noch locker machbar ist, ist bei einem anderen schon längst außerhalb des Möglichen oder gar Erträglichen.

 

4. Lösungen finden: Was wünsche ich mir?

In dieser Situation ist es meist schwierig, zu formulieren, was Du möchtest. Du bist gerade erst dabei zu erkennen, was Dich an diese Stelle geführt hat. Sicher gibt es da ein paar Dinge, die Du gerne anders hättest…

Doch zur großen Vision vom eigenen Leben reicht das noch nicht aus. Zu sehr wären dies Lösungen, die Dich „weg von“ etwas bringen und noch nicht „hin zu“ dem Neuen oder Deinem ganz Eigenen. Damit bist Du wie eine Wanderin, die ohne Ziel unterwegs ist.
In meinem E-Book „Endlich den eigenen Weg gehen“ (unten auf der hier verlinkten Startseite) findest Du Anregungen dazu.

 

5. Veränderungen wagen

Was könnte ein erster Schritt sein, etwas anders zu machen als bisher?

Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich nach meiner gesundheitlichen Auszeit Ende der 80er Jahre auch noch nicht wusste, wohin es gehen würde. Von Selbständigkeit war damals noch keine Rede, der Gedanke tauchte erst später auf. Also habe ich zunächst im Kleinen etwas geändert: meine Arbeitszeiten runtergefahren und weniger Überstunden gemacht, mir ein Hobby als Ausgleich gesucht (damals kam das Schreiben in mein Leben) und vor allem die Wochenenden bewusst für meine Erholung genutzt, mit viel Zeit in der Natur, dieser wunderbaren Lehrmeisterin :-)

 

Ich wünsche Dir den Mut zu mehr Eigenzeit.

 

PS: Der anfangs erwähnte Artikel mit weiteren Impulsen zum Thema wird im April 2020 in der Zeitschrift „Vital“ erscheinen.

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